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Aktualisiert am 26.05.2019

1. April 2008

Schluss mit Zwangsehe
Röllfeld wird selbstständig – Wappen, Unterschriften

Klingenberg-Röllfeld. An dieses Wappen wird man sich im Landkreis Miltenberg wohl gewöhnen müssen. Dank fachkundiger Ratschläge von Pfarrer Dr. Dieter Feineis haben die Röllfelder ein eigenes Wappen entwickelt und in der Hemmelrath-Halle bereits aufgehängt.Bürgermeister Reinhard Simon muss sich Sorgen machen: Das Wappen dürfte voraussichtlich der erste Schritt auf dem Weg zur Unabhängigkeit Röllfelds sein. Denn die jüngsten Kommunalwahlen haben bewiesen: Die Röllfelder haben ihren eigenen Kopf und wollen nicht unbedingt etwas mit den beiden anderen Stadtteilen zu tun haben. Dann aber wäre Simon vermutlich nicht Bürgermeister geworden.

Die Macher haben sich wirklich Mühe gemacht: Eingerahmt vom fränkischen Rechen und dem Mainzer Rad, über dem sich der Main schlängelt, strebt ein Langohr - unverkennbar der Röllfelder Sandhas' - mit Elan nach oben: der Unabhängigkeit Röllfelds entgegen? Hobby-Heraldiker Dr. Feineis weiß, dass noch letzte Hand an das Wappen gelegt werden muss: »Man muss sich entscheiden, ob die hellen Flächen in Weiß oder in Silber ausgeführt werden.« Aber daran dürfte die Selbstständigkeit Röllfelds wohl kaum scheitern.

Röllfeld gehört seit der kommunalen Gebietsreform 1976 zur Stadt Klingenberg. Einen unterfränkischen Präzendenzfall für die Rückkehr eines Ortsteils in die Selbstständigkeit gibt es mit Ermershausen, das sich 1994 nach 16 Jähren aus der von oben verordneten Zwangsehe mit Maroldsweisach verabschiedet hatte. Vorausgegangen war die Besetzung des Rathauses und die Errichtung von Barrikaden durch Bürger von Ermershausen mit dem Zweck, die Verlegung der Gemeindeverwaltung zu verhindern. Das Dorf wurde schließlich von mehreren Hundertschaften der Bereitschaftspolizei gestürmt und das Rathaus geräumt. Damit es in Röllfeld gar nicht erst so weit kommt, haben die Einwohner des Ortsteils heute um 10 Uhr Gelegenheit, sich im Klingenberger Rathaus mit einem Eintrag in eine Unterschriftenliste für die friedliche Loslösung von der Rotweinstadt auszusprechen. Nur eine Frage der Zeit dürfte freilich sein, bis Trennfurt nachziehen wird.

HL/js