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Aktualisiert am 26.05.2019

Sonntag, 17. Dezember 2000

Festlich-kraftvolle und fordernd-fröhliche Klänge
Mit »Blech«, Klarinetten und Orgel: Adventskonzert des Musikvereins Röllfeld zum Jubiläumsabschluss

Klingenberg-Röllfeld. Stimmungsvoll endete am Sonntagabend mit einem Adventskonzert das Jubiläumsjahr zum 80-jährigen Bestehen des Musikvereins Röllfeld. Die Pfarrkirche war restlos »ausverkauft«, einige Besucher fanden keinen Sitzplatz mehr.
Festlich-kraftvoll mit der »Alla Hornpipe« aus Georg Friedrich Händels »Wassermusik« begann der Musikverein das einstündige Konzert, eher getragen wirkte das »Intermezzo Sinfonico« aus Mascagnis Oper »Cavalleria Rustincana«. Hier wie auch bei den abschließenden Sätzen aus der »Feuerwerksmusik« und vor allem bei der Ballade »Leningrad« von Billy Joel, einem Antikriegslied, das deutliche programmmusikalische Elemente aufwies und dem Orchester ganz besonders lag, überzeugte die feste Leitung durch Thomas Schmitz und das meist erfolgreiche Bemühen der Musiker um exaktes Zusammenspiel.
In den Händen von Thomas Schmitz lag auch die Gesamtleitung, und zusammen mit Thomas Grein hatte er ein kurzweiliges Programm zusammengestellt. Dass Tanja Grein wegen einer Erkältung ihren vorgesehenen Gesangspart nicht liefern konnte und lediglich die modernen, unpathetischen Texte sprach, minderte den Gesamteindruck nicht entscheidend. Das positive Bild wurde auch vom Klarinettenensemble geprägt, das auf schönem Mittelweg zwischen solistischer Brillanz und harmonischem Zusammen sehr sicher und mit feinen Nuancen Händels »Air« spielte und in Mozarts »Reich mir die Hand, mein Leben« ausgezeichnet den fordernd-fröhlichen Ton fand.
Ebenfalls erfreulich: der Auftritt des fünfköpfigen Blechbläserensembles. Vor allem das elegante Menuett von Ivan Shekov gefiel mit der sauberen Intonation und der Leichtigkeit der Interpretation. Das Finale aus Camille Saint-Saens Weihnachtsoratorium setzte einen festlichen Glanzpunkt im Programm.
Ein Glanzpunkt: Christian Stegmanns Spiel auf der Orgel. Facettenreich und virtuos interpretierte er Alexandre Guilmants Marsch über »Ehre sei Gott in der Höhe« aus Händels Oratorium »Der Messias«. Er arbeitete die Variationen des Themas mit allen Ausdrucksformen präzise heraus und überzeugte durch sein ausdrucksvolles und genaues Spiel. Ebenfalls sehr gelungen: »Die Winterrose«, ein Liederzyklus zur Weihnachtszeit, der durch Texte (Tanja Grein) verbunden wurde. Zwischen »Tochter Zion, freue dich« und »O, du fröhliche« holte der Musikverein unter der souveränen Leitung von Thomas Schmitz in diesem Potpourri mit einem interessanten Arrangement und abwechslungsreicher Instrumentierung viele außergewöhnliche Facetten der bekannten Lieder ans Licht, und die Texte zu »Kommet ihr Hirten« und »Vom Himmel hoch« setzten einen erfrischend nüchternen Kontrapunkt zu den weltbekannten Melodien.
Dass der verdiente, herzliche Beifall der dankbaren Zuhörer für alle Akteure erst ganz zum Ende kam, trug wesentlich zum geschlossenen Eindruck und zur stimmungsvollen Atmosphäre des Konzerts bei.

Heinz Linduschka