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Aktualisiert am 28.11.2018

Blasmusik vor 100 Jahren

Blasmusik in Röllfeld um die Jahrhundertwende und in den zwanziger Jahren:

Die nachfolgenden Zeilen unserer Vereinschronik versuchen aufzuzeigen, in welcher Besetzung und mit welchen Stücken die Musikkapelle Röllfeld um die Jahrhundertwende und in den zwanziger Jahren an die Öffentlichkeit trat.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde nach handschriftlichen Noten, die Edmund Müller, Johannes Zöller und später Leander Schott niederschrieben, musiziert. Im Notenheft von Johannes Zöller von 1905 für Tromba I in C finden sich verschiedene Märsche, Quadrillen, Schottische und Walzer.

Noten von Philipp Vill

Als im Jahre 1928 Philipp Vill aus Mechenhard einen kleinen Musikverlag eröffnete, standen der Röllfelder Blaskapelle einfach arrangierte, gedruckte Musikstücke zur Verfügung.

Philipp Vill schrieb zehn „Leichte Tänze für Blasmusik":

  1. „Heimatklänge"
  - Walzer
  2. „Der lustige Sepp"   - Schottisch
  3. „Froher Sinn"  
  - Rheinländer
  4. „Ruhige Nacht"   - Walzer
  5. „Immer lustig" 
  - Schottisch
  6. „An der Linde"   - Rheinländer
  7. „Gemütlichkeit"   - Walzer
  8. „Am Bach"
  - Mazurka
  9. „Maientanz"   - Rheinländer
  10. „Waldblümlein"   - Walzer

Diese zehn leichten Tänze arrangierte er für folgende Instrumente:

  1. Clarinette in Es   
  (1. Stimme)
  2. Clarinette in B    
  (2. Stimme)
  3. Trompete I in B       
  (1. Stimme)
  4. Flügelhorn oder Trompete II in B   (2. Stimme)
  5. Althorn in B
  (= Tenorhorn 1)
  6. Basstrompete I in B  
  (= Tenorhorn 2)
  7. Basstrompete II in B
  (= Tenorhorn 3)
  8. Posaune oder Bariton in C
   
  9. Trompete in Es  
  (= Es-Horn)
  10. Bass in C    

Philipp Vill (1882 - 1951)
Philipp Vill (1882 - 1951)

Weiterhin schrieb Vill vier „Leichte Märsche für Blasmusik":

  1. „Frohe Jugend"    
  2. „Frisch voraus"    
  3. „Am Rande des Spessarts"    
  4. „Im gleichen Schritt"    

Diese vier leichten Märsche instrumentierte er wie die zehn „Leichten Tänze für Blasmusik". Auch schrieb er eine leichte Quadrille (Franse), die schon mit fünf Mann aufführbar ist.

Ein anderer Komponist war Paul Usinger aus Erlenbach, der ebenfalls im Eigenverlag Werke für Blasmusik herausgab. Da er um 1930 auch Flügelhornspieler und Dirigent der Röllfelder Kapelle war, befinden sich von ihm zahlreiche Werke im Archiv des Musikvereins Röllfeld. Er komponierte die „Maintaler Balltänze", bestehend aus acht Einzelstücken:

   1. „Nur Ruhe"   
  - Marsch
   2. „Im Rosengarten"     
  - Walzer
   3. „Stilles Träumen"   
  - Rheinländer
   4. „Es zogen drei Burschen"
  - Walzer
   5. „In der Laube"   
  - Rheinländer
   6.  „Auf den Bergen" 
  - Marsch
   7. „Am Mainesstrand"   
  - Walzer
   8. „Trompeten Gruß" 
  - Rheinländer

 

Paul Usinger

  Paul Usinger (1884 - 1949) 

Diese acht „Maintaler Balltänze" arrangierte er für folgende Instrumente:

  1. Clarinette in Es
  (1. Stimme)
  2. Clarinette in B   (2. Stimme)
  3. Piston I in B
  (= Flügelhorn 1)
  4. Piston II in B 
  (= Flügelhorn 2)
  5. Tromba I in B    
  (ob es auch Tromba II in B gab, ist nicht bekannt)
  6. Tenorhorn I in B    
  7. Tenorhorn II u. III in B
   
  8. Posaune in C    
  9. Corni I u. II in Es    
  10. Bass in C    

Noten von Paul Usinger

Weiterhin komponierte Usinger zwei Konzertmärsche für Blasmusik, die genau wie die „Maintaler Balltänze" in gedruckter Form erschienen: 

  1. „Hoch die Reichswehr"    
  2. „Bei fröhlicher Fahrt"    

Von diesen Märschen sind noch folgende Stimmen vorhanden:

  1. Clarinette in Es    
  2. Clarinette in B    
  3. Piston I in B    
  4. Piston II in B    
  5. Tromba I in B    
  6. Tromba II in B    
  7. Tenorhorn I in B    
  8. Tenorhorn II in B    
  9. Tenorhorn III in B    
  10. Posaune in C    
  11. Corni II in Es  
  (ob es auch Corni I in Es gab, ist nicht bekannt)
  12. Corni III in Es    
  13. Bass in C    
  14. Tambours    

Weitere, nicht in Druck erschienene Stücke von Paul Usinger wurden von einem Herrn Körner gesammelt und aufgeschrieben. Es ergab dies ein Heft von insgesamt 14 Stücken, das von Werner Finkentey gebunden und geheftet wurde.

  1. „Silvester Marsch"    
  2. „Blumen der Liebe"
  - Walzer
  3. Walzer    
  4. „Trompeten Abschied"    
  5. „Ständchen"    
  6. „Gretlein Echo"    
  7. Walzer    
  8. Walzer    
  9. „O du liebes Mägdelein"      - Walzer
  10. „Junggesellen-Marsch"    
  11. „Fußballer-Marsch"    
  12. „Abendständchen"    
  13. Polka    
  14. „Polka zum Andenken an Alten Körner"    

Folgende Stimmen sind von diesen 14 Stücken erhalten:

  1. Clarinette in Es    
  2. Clarinette in B    
  3. Flügelhorn I in B  
  (= Piston I in B)
  4. Flügelhorn II in B 
  (= Piston II in B)
  5. Tromba I in B 
   
  6. Tenorhorn I in B    
  7. Tenorhorn II in B    
  8. Bariton 
   
  9. Corni in Es    
  10. Bass    

Ein „Musikalisches Fantasie-Stück" ist als Original ebenfalls noch vorhanden. Es beinhaltet:

  a) Andante    
  b) Polka    
  c) Walzer    
  d) Marsch    
  e) langsamer Walzer    
  f) Polka, übergehend in Galopp    

Ob die Rückseite im Zusammenhang mit diesen Stücken gespielt wird, ist nicht bekannt. Die Komposition auf der Rückseite beginnt mit:

  a) Andante
   
  b) Polka (langsam, schnell, langsam)    

Ebenso als Original ist ein „Trauermarsch" erhalten.

Ziel und Aufgabe der Röllfelder Blasmusik sollte es sein, die im Original befindlichen Musikstücke von Philipp Vill und Paul Usinger wieder einmal in der Öffentlichkeit aufzuführen. Daher gründete Günther Weinkötz zu Beginn des 21. Jahrhunderts – also rund 100 Jahre nach den Anfängen der Röllfelder Musiziertradition – die Formation „Die Hünkelhöfer“ aus den Reihen des Musikvereins Röllfeld. Das Repertoire dieser Gruppe besteht größtenteils aus der typischen, fränkischen Volksmusik der Anfangszeit.

Leider sind von dieser ursprünglichen, bodenständigen Musik, regional und auch überregional, nur noch wenige Notenüberlieferungen oder Originale erhalten geblieben. Um so mehr erfreut es uns, im Besitz eines solchen Notenschatzes zu sein.