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Aktualisiert am 19.08.2019

Montag, 14. Juli 2008

Lockeren Festakt mit Schmunzeln genossen Röllfelder Wappen:
Kein Separatismus, sondern Identität - Zuvor eine Wallfahrt zum Dreihasen-Fenster absolviert

Klingenberg-Röllfeld. Immerhin 100 Besucher wollten am Samstagabend auf Einladung der Interessengemeinschaft Röllfelder Vereine in der Hemmelrath-Halle sehen und hören, ob das neue Wappen Röllfelds der Beginn einer Loslösung von Klingenberg und ein Schritt zur Selbstständigkeit der Stadtteilgemeinde sein konnte. Schon ein Blick auf den lockeren Bürgermeister Reinhard Simon machte klar: Von Separatismus kann keine Rede sein.
20 Musiker des Musikvereins Röllfeld unter Leitung von Thomas Schmitz umrahmten mit dem gefühlvollen und schmissigen Stücken die einstündige Feier, in der schon die Begrüßung durch Stefan Wüst die Motive der Wappenfreunde klar machte: »Wir erkannten sofort, dass für unser Gemeinschaftsdenken die Existenz eines Röllfelder Wappens sehr nützlich sein kann, und dass die Röllfelder Identität ein wichtiges Symbol in Form eines Wappens erhalten muss.« Halb ernst, halb scherzhart nannte er die Fertigstellung des Wappens.
Dessen Macher, Karlheinz Renz, erläuterte, wie viele Entwürfe er in monatelanger Arbeit erstellen musste, bis das Wappen fertig war. Alles begann mit einem Umtrunk nach der Musikprobe, als man entsetzt feststellte, dass Röllfeld im Landkreis mitten unter wappenstolzen Nachbargemeinden wappenlos dastand. Es folgte der Auftrag des Königlich Bayerischen Stammtischs an Karlheinz Renz.
Aufwändig, aber erfolgreich war die Arbeit, die nun in der Hemmelrath-Halle zu bestaunen war: der fränkische Rechen, der Röllfelder Sandhase, der - so Renz - »in unverkennbarem Elan nach oben strebt«, das Mainzer Rad auf blauem Grund und schließlich - in Weiß - der Main.
Spätestens seit der Festrede von Pfarrer Dr. Dr. Dieter Feineis war klar, dass das Röllfelder Wappen zwar ernst gemeint ist und Ausdruck von Gemeinschaftsgefühl. Doch sah man diesen Festakt eher locker und genoss ihn mit einem Schmunzeln. So sprach Feineis von der anregenden »Wallfahrt zum Dreihasen-Fenster im Dom zu Paderborn«, bei der man sich wichtige Anregungen geholt habe. Er erläuterte die heraldischen Regeln, ging auf den abendländischen Ursprung der Wappen in den Kreuzzügen ein und auf deren Funktion, bei Ritterkämpfen Freund und Feind zu unterscheiden. Feineis verfolgte den Fränkischen Rechen als Zeichen des Herzogtums Franken bis ins 16. Jahrhundert zurück und das sechsspeichige Rad für das Kurfürstentum Mainz bis in das 13. Jahrhundert. Zum. Hauptsymbol Hase wusste der Wappenexperte Feineis: »Der Hase ist ein wappenfähiges Tier.«
Bevor Andy Wengerter erläuterte welchen Formen, Größen und Ausführungen das Wappen und die neue Fahne Röllfelds zur Verfügung steht, zeigte sich Bürgermeister Reinhard Simon in seinem Grußwort »beeindruckt von der verschworenen Röllfelder Gemeinschaft« und erntete Lachsalven, als er einen gängigen Spruch zitierte: »Bevor die Klingenberger Worscht gesagt haben, haben die Röllfelder sie schon gegessen.«
Und nun? Sind die Röllfelder jetzt wunschlos glücklich? Nicht ganz! Sie warten noch auf den Eintrag in die Wappenrolle, der bereits beantragt ist, und sie hoffen, das Wappen zukünftig neben den anderen auf der Miltenberger Michaelismesse zu sehen. Das sollte auch schnellstens passieren, sonst könnten den Miltenbergern die Zecher aus Röllfeld fehlen, denn - wie gesagt - die Röllfelder sind eine verschworene Gemeinschaft.

Heinz Linduschka